Mainzer Namenstagung 2016: Linguistik der Eigennamen

  • Conference Call
  • Am 10. und 11. Okto­ber 2016 findet in der Akademie der Wis­senschaften und der Lit­er­atur, Mainz eine Tagung zum lin­guis­tis­chen (Sonder-)Status von Eigen­na­men statt.

    Wegen des reichen Ertrags der Tagung “Lin­guis­tik der Fam­i­li­en­na­men” im Jahr 2012 (s. dazu Debus et al. 2014) pla­nen wir für 2016, diese lin­guis­tis­che Fokussierung auf den Eigen­na­men als sprach­liche Kat­e­gorie auszudehnen. Erfreulicher­weise gibt es derzeit in Deutsch­land mehrere namen­gram­ma­tis­che Ini­tia­tiven, die wir durch diese Tagung bün­deln und stärken wollen. Dabei laden wir beson­ders Lin­guistIn­nen und Gram­matik­erIn­nen ein — sei es mit syn­chroner, diachroner und/​oder kon­trastiver Aus­rich­tung -, diese Tagung durch neue Forschun­gen und Erken­nt­nisse zu bereichern.

    Zum Thema

    Ins­ge­samt wurde die Namen­gram­matik von der Lin­guis­tik weit­ge­hend überse­hen und von der Ono­mas­tik selbst kaum als ihr Gegen­stand wahrgenom­men (sie befasst sich mehrheitlich mit der Ety­molo­gie von Namen). Dies erk­lärt die beträchtlichen Wis­sens­de­fizite bzgl. des gram­ma­tis­chen Ver­hal­tens von Namen.

    Dabei weisen Namen als monoref­er­ente Aus­drücke ohne Seman­tik auf allen sprach­lichen Ebe­nen Son­der­en­twick­lun­gen auf:

    • Auf der pho­nol­o­gis­chen Ebene etwa durch (abwe­ichende) phono­tak­tis­che und prosodis­che Eigenschaften
    • auf der flex­ion­s­mor­phol­o­gis­chen durch ein gerin­geres Maß an Allo­mor­phie und per se weniger Flex­ion, ins­beson­dere Introflex­ion (weniger Ab-​/​Umlaut, Stufenwechsel)
    • auf der syn­tak­tis­chen durch andere Stel­lungsregeln (im Deutschen beim Genitiv).

    Auch der Artikel erlangt vor Eigen­na­men ganz andere Funk­tio­nen als vor Appella­tiven, indem er – zusam­men mit Genus – als clas­si­fier fungiert, der Infor­ma­tio­nen über das denotierte Objekt liefert (der Con­ti­nen­tal → Auto, das Con­ti­nen­tal → Hotel/​Restaurant/​Bier, die Con­ti­nen­tal → Motorrad/​Flugzeug) (Nübling 2015).

    Ebenso kön­nen Eigen­na­men in der Wort­bil­dung von den üblichen Mustern divergieren, indem sie, wie im Fall der Waren­na­men, von beson­deren Wortschöp­fung­stech­niken Gebrauch machen (Ronneberger-​Sibold 2000, 2004) oder sich eigene Deriva­tion­s­muster leis­ten (die Frank­furter Oper; grimm­sche Märchen, oba­maeske Weise).

    Graphe­ma­tisch sind Namen die einzige Wor­tart im Deutschen, die orthographisch nicht normiert ist und anderen Reg­u­lar­itäten folgt, was bspw. die Grapho­tak­tik oder die Set­zung von Syn­graphe­men wie Apos­troph und Binde­strich bet­rifft. Aus diachroner Per­spek­tive erweisen sich Eigen­na­men ein­er­seits als kon­ser­v­a­tiv (Erhalt des pränom­i­nalen Gen­i­tivs), vielfach aber auch als Vor­re­iter gram­ma­tis­cher Neuerun­gen — so bei der Entwick­lung des ‑s-​Plurals (Nübling/​Schmuck 2010) oder der Sub­stan­tiv­großschrei­bung (Bergmann/​Nerius 1998). Dies unter­stre­icht ein­mal mehr die bis­lang unter­schätzte Rel­e­vanz der Namen­gram­matik — ein Miss­stand, dem diese Tagung abhelfen soll.

    Literatur

    Veranstalterinnen

    • Luise Kempf
    • Damaris Nübling
    • Mir­jam Schmuck
    starting: ending: 11.10.2016 Location: , Category:

    Timeline

    Conference START 11.10.2016 END

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